Drehleier spielen

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Grundlagen und Hintergründe. Lehrbuch

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ISBN: 978-3-927240-47-6 Artikelnummer: DLS Kategorie: Schlagwörter: ,

Beschreibung

Die Drehleier, ein Instrument mit jahrhundertealter Geschichte, erfährt in der modernen Musikszene eine Renaissance. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, bietet “Drehleier spielen” ein Lehrbuch, das die Grundlagen und Hintergründe der Drehleiermusik umfassend beleuchtet. Dieses Werk richtet sich an Musiker aller Niveaus und bietet einen tiefen Einblick in die vielfältigen musikalischen und spieltechnischen Ausdrucksmöglichkeiten dieses faszinierenden Instruments.

Eine Brücke zwischen Tradition und Moderne

Mit “Drehleier spielen” legen Kamini Barbara Govil-Willers und Friedhelm Capelle ein Lehrbuch vor, das als erstes seiner Art die Brücke zwischen der traditionellen Musik und den Ansprüchen moderner Musiker schlägt. Es eröffnet die Möglichkeit, das musikalische Spektrum der Drehleier in all ihren Varianten zu erkunden und die Beziehung des Musikers zu seinem Instrument zu vertiefen.

Umfassende Übungen und Musikbeispiele

Der Schwerpunkt dieses reich illustrierten Buches “Drehleier spielen” liegt in der Zusammenstellung umfangreicher Übungen, die das Erarbeiten unterschiedlichster Musikstilrichtungen und Techniken ermöglichen. Musikbeispiele aus verschiedenen Epochen erweitern den stilistischen Umkreis der Drehleier und führen das Geübte in die musikalische Praxis über.

Von der Geschichte zur Praxis

Mit einem einleitenden Vorwort von Prof. Dr. Marianne Bröcker taucht der Leser in die faszinierende Geschichte der Drehleier und der Bordunmusik ein. Die Autorin beleuchtet den anhaltenden Reiz dieser Musikform und erläutert, wie das ständige Mitklingen der Borduntöne eine ganz eigene Faszination ausübt. Dieser historische Rückblick bietet einen wertvollen Kontext für die Auseinandersetzung mit dem Instrument und seiner Musik.

Die Drehleier – Ein “Körper”-Instrument

“Drehleier spielen” geht über die reine Technikvermittlung hinaus und betont die körperliche Verbindung zwischen Musiker und Instrument. Die Autoren heben hervor, wie wichtig es ist, sich dem Instrument nicht nur über die Pflege und Spieltechnik, sondern auch auf einer persönlicheren Ebene zuzuwenden. Dieser Aspekt macht das Lehrbuch zu einem unverzichtbaren Begleiter für alle, die die Drehleier nicht nur spielen, sondern mit ihr kommunizieren möchten.

Kreativer Umgang mit der Drehleier

Das Lehrbuch ermutigt zu einem phantasievollen und kreativen Umgang mit der Drehleier. Ziel ist es, dass Schüler von Beginn an nicht nur auf ihrem Instrument, sondern auch mit ihm spielen lernen. Diese Herangehensweise soll Musiker und Instrument zu einer musikalischen Einheit verschmelzen lassen und somit die Grundlage für eine individuelle und künstlerisch befriedigende musikalische Gestaltung schaffen.

“Drehleier spielen” ist somit weit mehr als ein Lehrbuch; es ist eine Einladung, die Welt der Drehleier neu zu entdecken und die eigene musikalische Sprache zu finden. Tauche ein in die vielschichtige Welt der Drehleiermusik und erlebe, wie dieses außergewöhnliche Instrument deine musikalische Reise bereichern kann.

Zusätzliche Informationen

Gewicht 0,690 kg
Seiten 154
Produktsprache Deutsch
Format A4
GTIN 9783927240476

Vorwort

Die Bordunmusik verfügt über eine ganz eigentümliche Faszination, denn das ständige Mitklingen eines oder mehrerer gleichbleibender Töne hat etwas Zwingendes, dem sich Ohr und Psyche nicht entziehen können. Keine andere musikalische Gestaltungsweise ruft daher auch so entgegengesetzte Reaktionen hervor wie sie, – entweder heiße Liebe oder heftige Ablehnung.

Als ich vor nunmehr 30 Jahren begann, mich mit der Drehleier zu beschäftigen, war das Instrument in Deutschland so gut wie ausgestorben und selbst Instrumentenfachleuten nicht mehr bekannt. Das einzige Gebiet, wo sie noch von mehr als nur einigen letzten, alten Musikern – wie damals in Galizien (Spanien) und in Ungarn gespielt wurde, war in Zentralfrankreich. Es ließ sich also der Zeitpunkt absehen, zu dem die Drehleier nur noch ein totes, in einigen Museen zu betrachtendes Instrument der europäischen Musikgeschichte sein würde. Dieser Eindruck trog allerdings schon im Jahre 1967, denn zu dieser Zeit begannen die ersten Versuche, das Instrument wiederzubeleben. Seit diesem Neuanfang hat sich Erstaunliches entwickelt, sowohl das Instrument betreffend als auch die Musik, die darauf gespielt wird. Die heutige Situation ist in keiner Weise mehr mit der vor dreißig Jahren zu vergleichen. Es war ein langer aber kontinuierlich verfolgter Weg von den ersten tastenden Versuchen in Deutschland, wieder Drehleiern zu bauen und zu spielen, bis zu den heute vorhandenen Möglichkeiten, jederzeit das Spiel in Kursen zu erlernen oder ein Instrument der inzwischen wieder zahlreichen Drehleierbauer zu erwerben. Gab es vor dreißig Jahren nur wenige bedeutende Drehleierspieler, die allseits bewundert wurden, so ist heute das spielerische Können ebenso wie das musikalische Niveau zahlreicher Musiker außerordentlich hoch. Vermutlich gibt es gegenwärtig in Europa so viele sehr gute Spieler wie nie zuvor in der fast tausendjährigen Geschichte dieses Instruments.

Unterrichtswerke für Anfänger und Fortgeschrittene sowie Melodiesammlungen verschiedener Herkunft sind heute leicht zu beschaffen, und jeder Interessierte hat die Chance, sich die Spieltechnik und ein bestimmtes Repertoire anzueignen. Die Zugänglichkeit eines umfangreichen Materials erklärt aber noch nicht, warum jemand ausgerechnet die Drehleier spielen möchte. Denn, genau betrachtet, ist Bordunmusik in unserer vielfältigen, ständig präsenten Klanglandschaft ein Anachronismus, ein Relikt aus früheren Zeiten. Und trotzdem hat die Entwicklung der letzten Jahrzehnte gezeigt, daß der Bordun seine Faszination nicht verloren hat. Dies hängt aber wesentlich auch mit den entsprechenden Instrumenten zusammen, denn die Borduninstrumente sind in ganz besonderer Weise “Körper”-Instrumente, So spürt der Spieler einer Sackpfeife den Sack direkt an seinem Körper, fast wie ein zusätzliches Atmungsorgan, und die Maultrommel schwingt durch den Atem direkt in die Mundhöhle. Auch die Drehleier ist auf das engste mit dem Körper verbunden, denn die im Instrument erzeugten Schwingungen übertragen sich auf die inneren Organe und regen diese wie Aliquotsaiten zum Mitschwingen an. Kaum ein anderes Musikinstrument wird daher auch so unmittelbar körperlich empfunden wie die Drehleier, so daß es außerordentlich wichtig ist, sich dem Instrument auch über die Pflege und die Spieltechnik hinaus zuzuwenden. Dieser Aspekt wird jedoch in den bisherigen Lehrwerken kaum berücksichtigt und ist deshalb ein besonderes Anliegen dieser Schule. Die Beherrschung der Technik ist nur eine Seite des Spiels, die andere aber ist die Kenntnis der eigenen Fähigkeiten und der Möglichkeiten des Instruments, um beide voll ausschöpfen zu können. Deshalb wird hier über den festen Lehrstoff hinaus ein phantasievoller, kreativer Umgang mit der Drehleier gelehrt, der Schüler soll von Beginn an nicht nur auf seinem Instrument, sondern auch mit ihm spielen lernen. Nur auf diese Weise können Musiker und Instrument zusammenwachsen und zu einer musikalischen Einheit werden. Und dies ist die wesentliche Voraussetzung für eine individuelle, künstlerisch befriedigende musikalische Gestaltung.

September 1997
Marianne Bröcker

Inhalt

  1. Einführung
  2. I. KREISE
    1. Geschlossene Haltung, Gleichmäßiges Drehen
    2. Die Töne der Tastatur, legato und staccato
      • Die Sonn’ erreget all’s (Angelus Silesius)
    3. Drehgeschwindigkeit und Dynamik, Kurze und lange Schnarrtöne
    4. Kirchentonarten, Griffe/Griffmuster
      • Agnus Dei (anonym)
      • Loibere Risen (Wizlaw von Rügen)
      • Saltarello (anonym)
  3. II. AUFBRECHEN
    1. Einerschlag, Schnarren aus dem Stillstand, Zweierschlag, Auftakt
    2. Lagenwechsel, Tonleitern, Phrasierung,  Tonwiederholungen
      • Ungaresca (Jakob Paix)
    3. Dreierschlag, Schritte zum Erlernen einer Schlagart, Position oder Richtung
    4. Portato, Verzierungen, Vibrato
      • Hoboeckentanz (Tielman Susato)
    5. Viererschlag, Unabhängigkeit der Hände, Offene Haltung
    6. Arrangieren eines Stückes, Erarbeiten eines Fingersatzes, Weitere Verzierungen
      • Jouyssance Vous Donneray (Thoinot Arbeau)
      • Totentanz (anonym)
      • Ecco La Primavera (Francesco Landini)
      • Warum (Tielman Susato)
  4. ICH WILL
    1. Kontrapunkt der Schnarre, Phrasierung und Dynamik mit der rechten Hand, gleichbleibende und wechselnde Radgeschwindigkeit
    2. Fingerübungen, Flüssige Lagenwechsel, Verwendung des Daumens
      • Les Primevères (Philibert Delavigne)
      • La Soeur Cadette (Jean-Baptiste Anet)
    3. Sechserschlag
    4. Triller, Wechselnde Harmonien, Dreiklänge
      • Gratioso (Charles Buterne)
      • Vivace (Antonio Vivaldi)
      • Un Poco Vivace (Antonio Vivaldi)
  5. SUCHEN
    1. Rhythmus, Ungerade Taktarten
    2. Tonarten, Intonation, Stimmung
      • Le Pont ( Frédéric Paris)
      • Hurdy-Gurdy-Blues (trad. USA)
    3. Bogentechnik, Freie Haltung, Erweiterte Anwendung des Sechserschlages
    4. Klänge, Vorschläge zum Üben
      • Estas Mesas (trad. sephardisch, Bulgarien)
      • Razvrastanata (trad. Bulgarien, Matthias Loibner)
  6. OFFENE GRENZEN
    1. Achterschlag, Neunerschlag, Freie Schnarre
    2. Bluestonleiter, Chromatik, Ganztonleiter, Quartenakkorde Rückungen, Flageolets, Saiten zupfen
      • Zhe kreveri de fã (Matthias Loibner)
  7. ANHANG
    1. Anhang zur Notation der Drehleier
    2. Anhang zur Einstellung des Instruments
    3. Anhang zur Literatur
    4. Dank
    5. Index

Autor:innen

Riccardo Delfino

geb. 1963 in Deutschland; Klavier- und Cellounterricht; bereiste mehrere Jahre als Straßenmusikant Europa und erforschte die traditionelle Musik verschiedener Länder; spielt seit 1983 Drehleier, Unterricht bei Evelyne Girardon, Valentin Clastrier und Matthias Loibner; studierte an der Musikhochschule Göteborg und der Sibelius-Akademie Helsinki Drehleier, Bordun- und Alte Musik (Abschluß mit dem „University Certificate in Music“); Anstellungen als Theatermusiker in Schweden; Studium der Musikpädagogik am Lehrerseminar für Waldorfpädagogik Stuttgart; Mitglied der Ensembles für Alte Musik „Oni Wytars“, „Unicorn“ und „Accentus“; langjährige internationale Konzerterfahrung, Kursleiter für Drehleier und Ensemblespiel; mehrere Tonträger-, Rundfunk- und Fernsehproduktionen.

Matthias Loibner

geb. 1969 in Graz (Österreich), Klavierunterricht bei Nono Schreiner, Gitarre und Posaune im Selbststudium, teilweise Studien der klassischen Komposition, Jazzkomposition, Orchester- und Chorleitung in Graz; seit 1990 Beschäftigung mit der Drehleier, zunächst autodidaktisch, später Unterricht bei Barbara Grimm, Valentin Clastrier, Riccardo Delfino und Gilles Chabenat; 1. Preis beim “Concours des vielles et cornemuses” St. Chartier, 1994; Mitwirkung und Zusammenarbeit als Drehleierspieler u.a. mit deishovida, Sandy Lopicic Orkestar, Tunji Beier, Linsey Pollak, Ross Daly, Christophe Coin (Ensemble Baroque de Limoges), Le Concert Spirituel, Les Eclairs de la Musique, DJ Shantel, Alex Deutsch; Theatermusik u.a. mit Henning Mankell, Hubert v. Goisern, Manuela Soeiro; seit 1994 Tätigkeit als Lehrer für Drehleiertechnik und Improvisation.